Elisabeth Scharfenberg, Mitglied im Deutschen Bundestag

Mitglied im Deutschen Bundestag

Welt-Suizid-Präventionstag: Bessere soziale Einbindung statt Tabuisierung

Anlässlich des 8. Welt-Suizid-Präventionstages am 10. September 2010

09.09.2010

Anlässlich des 8. Welt-Suizid-Präventionstages am 10. September 2010 erklärt MdB Elisabeth Scharfenberg, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied im Gesundheitsausschuss:

Nicht durch Tabuisieren, sondern dadurch, dass wir den Suizid in das öffentliche Bewusstsein rücken, kann die Suizid-Prävention verbessert werden. Das ist dringend erforderlich, denn auch im Jahr 2008 starben fast 10.000 Menschen durch eigene Hand und damit wieder mehr Menschen als im Vorjahr. Dabei tritt der Suizid in allen Altersgruppen auf. Die größte Gruppe mit 36% bilden allerdings die über 65-jährigen.

Die Ursachen dafür, dass Menschen ihr Leben selbst beenden, sind vielfältig und fast immer ein verzweifelter Ruf nach Hilfe. Mit zunehmenden Alter spielen die Verluste persönlicher Beziehungen, Einsamkeit oder das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden, aber auch körperliche und seelische Erkrankungen eine Rolle. Für viele ist das Alter eine Zeit der Entlastung von den Pflichten des Erwerbslebens oder der Familienarbeit. Doch mit dem fortschreitenden Lebensalter nehmen  auch Ängste zu. Oft wird nicht wahrgenommen, dass die eigenen Großeltern oder der Nachbar in eine Lebenskrise geraten, depressiv oder suizidgefährdet sein könnten.

Eine Einbindung in soziale Netzwerke kann dem entgegenwirken,  Erfahrungs­austausch und Aktivität fördern und neue Aufgaben und Ziele entwickeln helfen. Gleichzeitig müssen Pflegepersonal und Ärzte verstärkt dahingehend geschult werden, beginnende Depressionen, aber auch Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch frühzeitig zu erkennen.

Von Suizid betroffen sind jedoch auch Angehörige und Freunde. Um Hinterbliebenen eine Anlaufstelle zu bieten, haben sich unterschiedliche Initiativen gegründet. Eine davon ist AGUS-Selbsthilfe e.V. – Angehörige um Suizid, mit ihrer Bundesgeschäftsstelle in Bayreuth und zahlreichen Selbsthilfegruppen im Bundesgebiet. Ihr Anliegen ist vor allem die Trauerarbeit nach einem Suizidfall, aber auch die kompetente Beratung für Menschen, die selbst Trauernde begleiten.

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